Wenn Angreifer VMs den Teppich unter den Füßen wegziehen: Große Angriffskampagne auf VMware-Hosts

Virtualisierung hat der Sicherheit einen deutlichen Schub gegeben. Nie war es einfacher, Dienste und Daten auf verschiedene (virtuelle) Systeme zu verteilen. Aber wie immer in der IT kommt das nicht ohne einen großen Haken: Der Virtualisierungshost wird zu einem Single-Point-of-Failure, von dem die Sicherheit aller darauf laufenden Systeme abhängt.

Nach einer großen Angriffskampagne mussten Betreiber von VMware-ESX-Servern dies am eigenen Leib erfahren. Verschiedene Informationssicherheitsbehörden gaben sogar Warnungen heraus – darunter Italiens ACN und das französische CERT. Bei genauerer Betrachtung der Kampagne sieht man, dass eine recht alte Lücke ausgenutzt wird (die CVE datiert von 2021, das Update ist seit einem Jahr verfügbar) und die Angreifer Zugriff auf den Port 427 benötigen. Dieser Port wird für das CIM-/SLP-Protokoll benötigt, mit dem man externe virtuelle Ressourcen verwalten kann – er dient also eher einer administrativen Funktion.

Durch systematisches Ausnutzen des fehlenden Patches und der offenen Adminschnittstelle konnten Angreifer sehr viele Hostsysteme kompromittieren und verschlüsseln – und damit eine natürlich umso größere Anzahl darauf laufender virtueller Systeme beeinträchtigen.

Glück im Unglück: Für Betroffene der ersten Angriffswelle gibt es bereits Skripte, mit denen virtuelle Maschinen aus Artefakten wiederhergestellt werden können. In späteren Angriffswellen haben die Angreifer die dafür nötigen Daten ebenfalls zerstört.

Wiederherstellungsskript: https://github.com/cisagov/ESXiArgs-Recover/blob/main/recover.sh

Warnung des BSI: https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Cybersicherheitswarnungen/DE/2023/2023-205338-1032.html

Medientipp Februar 2023

Im letzten Newsletter hatten wir die Chancen und Risiken von ChatGPT diskutiert. In den letzten Wochen gab es dazu noch viele weitere spannende Experimente im Netz. Ein schönes Beispiel ist dieses Quiz von Heise Online:

https://www.heise.de/hintergrund/TGIQF-Quiz-zu-IT-Sicherheits-Abkuerzungen-7487850.html

Bei der Erstellung half die KI – aber klicken Sie sich lieber erst durch das Quiz und lesen Sie anschließend den Hintergrundartikel zu seiner Erstellung.

Mehr als nur ein Versionsupdate: Die ISO/IEC 27001:2022

Im Oktober 2022 wurde die zentrale ISO-Norm zur Informationssicherheit aktualisiert. Die meisten Betroffenen haben sich vermutlich schon davor mit den Neuerungen beschäftigt. Aber nach einem Quartal in der Praxis ist eine erste Zwischenbilanz möglich. Zwei Neuerungen kristallisieren sich als typische Herausforderungen heraus: zum einen die Anforderung, die Bedrohungsentwicklung aktiv zu beobachten (Threat Intelligence), um auf strategischer, taktischer wie operativer Ebene reagieren zu können. Zum anderen bildet die jetzt nachzuweisende Cloud-Strategie für viele ebenfalls eine neue Challenge.

Die wichtigsten Änderungen: https://www.youtube.com/watch?v=53uwJY-mrIg

Cloud-Strategie: https://www.youtube.com/watch?v=nVlppw4EDuc

Chancen und Risiken liegen manchmal nur einen Fingerabdruck auseinander – wie bei der Biometrie

Während in der aktuellen <kes> verschiedene Experten den Einsatz von Biometrie im beruflichen Kontext diskutieren, wurde parallel bei der Konferenz „Hacking in Parallel“ die damit verbundene Gefahr am Beispiel eines militärischen Biometriegeräts gezeigt.

Mehrere Geräte zur biometrischen Identifikation von Personen konnten über Onlineauktionshäuser beschafft werden. Die untersuchten Geräte waren zuvor in Afghanistan im Einsatz und enthielten noch Daten. Das Missbrauchspotenzial ist bereits erschreckend groß, wenn diese Geräte durch die aktuellen Machthaber zur Identifikation von damaligen Unterstützern – etwa Ortskräfte des US-Militärs –  verwendet werden. Zudem zeigten die Forscher, dass sich die vermeintlichen Hightech-Geräte bei der biometrischen Erkennung leicht austricksen ließen und über Sicherheitslücken Zugriff auf interne Daten ermöglichten.

Die in der <kes> unabhängig davon befragten Experten hatten ähnliche Risiken auf dem Schirm. Biometrie ist im beruflichen Kontext recht wenig verbreitet, hält aber über die auf Mobiltelefonen und Tablets bei der Privatnutzung bereits etablierte Entsperrung mit Fingerabdruck oder Gesicht immer stärkere Verbreitung in Unternehmen. Während die Biometrie für Privatnutzer meist ein deutlicher Sicherheitsgewinn gegenüber der vierstelligen PIN ist, trifft sie im Unternehmenskontext auf etablierte Sicherheitsmechanismen – und das tatsächliche Schutzniveau und Missbrauchspotenzial muss individuell bewertet werden.

https://pretalx.c3voc.de/hip-berlin-2022/talk/V7UFTL/

https://www.kes.info/archiv/heft-archiv/jahrgang-2022/ausgabe-20226/

„Tschüss“ Windows 8 und Windows Server 2012

Diesen Dienstag endete der Support für die letzte Version von Windows 8. Viele werden jetzt aufatmen, da sich diese Betriebssystem-Version kaum in professionellen Netzen durchsetzen konnte. Aber haben Sie schon den letzten Windows-7-Client aus Ihrem Netzwerk entfernen können – oder warten Sie noch auf das Update der einen Fachanwendung? Bei Windows 7 lief vorgestern auch die allerletzte Verlängerungsmöglichkeit mit dem kostenpflichtigen ESU (Extended Security Update) aus.

Unser Incident-Response-Team findet regelmäßig bei betroffenen Kunden stark veraltete Systeme (seltener Windows 8 auf den Clients, häufiger noch Windows Server 2008), die entweder selbst den Angriff begünstigt haben oder durch nötige Abwärtskompatibilitäten Härtungsmaßnahmen behindern. Die korrespondierende Serverversion zu Windows 8 – Windows Server 2012 – wird auch in diesem Jahr, genauer im Oktober, ihr Support-Ende erreichen. Um rechtzeitig die Migration einplanen zu können, helfen Übersichtsseiten wie https://endoflife.date/.

Manchmal lauert der Angreifer auch schon drinnen

Angriffe durch Innentäter sind nicht ohne Grund der Schrecken jedes Sicherheitsverantwortlichen. Steckt doch inhärent der Konflikt darin, die richtige Balance zwischen vertrauensvoller Zusammenarbeit und kritischer Beobachtung von möglichen Missbräuchen zu finden. Daher werden Innentäter in Risikoanalysen immer gern kleingeredet. Auch wenn es keine schöne Vorstellung ist: es gibt sie doch.

Sehr drastisch ist der aktuell öffentlich diskutierte Fall, in dem ein BND-Mitarbeiter verdächtigt wird, vertrauliche Informationen an einen russischen Geheimdienst weitergegeben zu haben. Etwas kleiner, aber nicht weniger erschreckend ist ein ähnlicher Fall in den Niederlanden. Dort wurde ein Finanzbeamter angeklagt, da er verdächtigt wird, gegen Geld nach Nummernschildern, Adressen und sogar familiären Beziehungen gesucht zu haben.

Ähnliche Fälle gab es in der Vergangenheit auch bereits mit Support-Mitarbeitern, die Kundenkonten unberechtigt sperrten. Eine häufige Gemeinsamkeit ist, dass meist die regulären Zugriffsrechte und keine technische Schwachstelle ausgenutzt wird. Daher sind die Erkennung und auch die Aufklärung nur mit einem guten Konzept für Protokollierung und Monitoring möglich.

https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/bnd-russland-mutmasslicher-landesverrat-101.html

https://www.om.nl/actueel/nieuws/2023/01/03/eis-drie-jaar-cel-tegen-medewerker-belastingsdienst

Medientipps November 2022

Fediverse

Während Twitter auch als virtuelles Austausch-Forum über Informationssicherheit unter der Übernahme durch Elon Musk ächzt und einen Massenexodus von Usern erleidet, sammeln sich Mitglieder der Cybersecurity-Community auf anderen Plattformen. Viele große und kleine „Thought Leaders“ sind nun auf dem dezentralen Microblogging-Dienst Mastodon zu finden, etwa auf der Instanz infosec.social. Grundsätzlich kann aber ein Account auf jeder Instanz angelegt werden, da diese in der Regel miteinander föderiert sind.

Hier eine Kurzanleitung zu Mastodon: https://hopidd.de/mastodon

Know-how to binge

Auf unserem YouTube-Kanal finden sich neben den Aufzeichnungen der Vorträge aus unserem Format „Know-how to go“ auch eine Reihe von „One minute stories“ mit persönlichen Einblicken in das Arbeiten bei HiSolutions. https://www.youtube.com/@hisolutionsag

Dümmetrisch: Ransomware patzt beim Verschlüsseln

Auch bei der Entwicklung von Schadsoftware wird nur mit Wasser gekocht und mit dem Fachkräftemangel gekämpft. Insbesondere bei der Nutzung von Kryptografie – bei Ransomware prinzipbedingt ein Kernbestandteil der Funktionalität – ist es leicht, sich selbst in den Fuß zu schießen.

Besonders schön versemmelt hat es eine Malware, die den Mitarbeitenden des Schweizer Unternehmens Compass Security vor die Flinte kam: Die Verschlüsselung wurde nicht nur mit dem symmetrischen Verfahren AES vorgenommen. Zusätzlich war der Entschlüsselungsschlüssel, der identisch zum Verschlüsselungsschlüssel ist, aus der für den jeweiligen Angriff generierten „Attack ID“ direkt ableitbar. Damit wurde die Entschlüsselung, nachdem das Prinzip einmal durchschaut war, zur trivialen Aufgabe.

https://blog.compass-security.com/2022/11/a-symmetric-cipher-ransomware-yes/

Ransom Wer? Von Cyberangriffen betroffene Unternehmen 2022

Jedes Jahr steigt die Anzahl der Organisationen, die von einer Ransomware-Attacke oder einem ähnlich ernsten Cyberangriff betroffen sind – und es ist schwer, den Überblick zu behalten, zumal die Dunkelziffer hoch ist.

Für 2022 hat die Online-Zeitschrift CSO den Versuch unternommen, die bekannten Fälle zusammenzutragen. Die stetig aktualisierte Liste umfasst bereits über 60 Einträge allein deutscher Unternehmen.

https://www.csoonline.com/de/a/diese-unternehmen-hat-s-schon-erwischt,3674038