HiSolutions Schwachstellenreport 2021

Hier gibt es unser Whitepaper Schwachstellenreport 2021 zum Download.

Immer wieder taucht die Frage auf, wie die Ergebnisse von Penetrationstests im Vergleich mit „typischen“ Ergebnissen einzustufen sind und ob die identifizierten Probleme bei anderen Unternehmen in ähnlicher Form und Schwere bestehen.

Wir haben diese Fragen zum Anlass genommen, die von uns in den letzten Jahren durchgeführten Tests auszuwerten und die jeweils identifizierten Schwachstellen nach Schweregrad und Kategorien zu analysieren. Diese Aggregation erlaubt uns, sowohl die Vertraulichkeit der Projektergebnisse gegenüber unseren Kunden zu wahren als auch Aussagen über typische Testergebnisse und Problembereiche abzuleiten, die entweder besonders häufig auftauchen oder besonders schwerwiegende Lücken darstellen. Durch die Fortschreibung der Auswertung über die Jahre hinweg werden dabei auch interessante Trends und wichtige Entwicklungen in der Sicherheitslage deutlich.

Vorgehen

Dieser Report beruht auf einer Auswertung der Ergebnisse aus insgesamt 89 Penetrations- und Schwachstellentests, die im Jahr 2020 durchgeführt wurden. Zusätzlich wurden die Befunde mit den Ergebnissen der Schwachstellenreports aus den Jahren 2013 bis 2019 verglichen.

Die durchgeführten Tests betreffen verschiedene Zielumgebungen von Netzwerkinfrastrukturen über Web-Anwendungen bis hin zu einzelnen Systemen und Verfahren, weswegen sie nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Durch die Kategorienbildung bei den Schwachstellen lassen sich dennoch interessante Beobachtungen ableiten.

Für die Kategorien wurde sich zunächst an den „OWASP Top 10“ orientiert. Diese Veröffentlichung des OWASP-Projektes aus dem Jahr 2017[1] umfasst eine Systematik der schwerwiegendsten Schwachstellen für Web-Anwendungen, die dort auf der Grundlage einer Berechnung der Schweregrade auf der Basis von Häufigkeiten und Auswirkungen erstellt wurde. Die Kategorien lassen sich dabei zum Teil auch auf andere Testziele gut übertragen, decken jedoch nicht alle Befunde vollständig ab, sodass einige selbst erstellte Kategorien ergänzt wurden. Diese umspannen den gesamten Zyklus der Softwareentwicklung und des Betriebs von Architektur und Design über Implementierung bis hin zur Systempflege. Dadurch lassen sich auch entsprechende Sicherheitslücken jenseits von Web-Anwendungen feingranular einordnen.

Die Aggregation der Daten bringt einige praktische Schwierigkeiten mit sich: Aufgrund der Verschiedenartigkeit der durchgeführten Tests ließen sich keine relevanten Aussagen zur Häufigkeit von Schwachstellen in einem bestimmten System oder einer Anwendung ermitteln. Auch werden in den Projektberichten gleichartige Schwachstellen auf verschiedenen System häufig zu einem Befund zusammengefasst, sodass eine Zählung der Befunde hier ebenfalls nur begrenzte Aussagekraft hat. Aufgrund dessen wird als Maß die relative Häufigkeit von Projekten, in welchen ein Befund der entsprechenden Kategorie auftaucht, verwendet. Dadurch wird deutlich, welche Schwachstellen besonders häufig in Projekten auftreten und welche eher selten oder nur in besonderen Zielumgebungen vorkommen.

Für die Bewertung der Relevanz einer Schwachstelle wird in den Prüfberichten ein standardisiertes Schema verwendet, welches aus der Bewertung der Komplexität des Angriffs und des zu erwartenden Schadens zu einer Einordnung in die folgenden Kategorien führt:

     CRITICAL (C)            Systeme akut gefährdet, umgehendes Handeln erforderlich

     HIGH (H)                   hohe praktische Relevanz – sollte priorisiert behoben werden

     MEDIUM (M)             relevantes Schadenspotenzial in Verbindung mit anderen Problemen

     LOW (L)                    für sich genommen keine unmittelbare Gefahr

Rein informative Befunde (z. B. festgestellte funktionale Fehler ohne Sicherheitsbezug) wurden in der Auswertung nicht berücksichtigt.

Ergebnisse

Im Folgenden werden die Erkenntnisse aus der Auswertung der Penetrationstests des letzten Jahres vorgestellt. Es werden die durch die Tests gefundenen Sicherheitslücken im Vergleich der Ergebnisse der letzten Jahre begutachtet. Hierfür werden die Kategorie und der Schweregrad der Schwachstellen betrachtet. Die Auswertung von Nachtest-Ergebnissen erlaubt auch in diesem Jahr wieder eine Untersuchung über die Effizienz der im Anschluss an Penetrationstests durchgeführten Maßnahmen.

Bei der Auswertung der Projekte des Jahres 2020 müssen die Besonderheit des Jahres in Bezug auf die globale Covid-19-Pandemie im Blick behalten werden. So ist es dieses Jahr besonders wichtig, die Entwicklung der Ergebnisse der Penetrations- und Schwachstellentests im Zusammenhang mit den Einschränkungen zur Pandemiebekämpfung und den Auswirkungen auf die verschiedenen Projektarten zu begutachten und zu bewerten.

Die erste Abbildung zeigt die Entwicklung des Schweregrades von Sicherheitslücken von 2013 bis 2020. In diesem Fall werden alle Funde eines Penetrationstests betrachtet. Jedem Test wird die höchste Kritikalität seiner Funde zugeordnet, da eine einzige Schwachstelle des entsprechenden Schweregrades genügen kann, die Sicherheit des gesamten Systems zu beeinträchtigen.

Von 2013 bis 2015 gab es einen klaren Anstieg der kritischen, hohen und mittleren Befunde. Die Anzahl dieser sank in den nächsten Jahren bis 2018 zwar deutlich, um 2019 erneut stark zu steigen. Wie bereits im Bericht des letzten Jahres vermutet, liegt der starke Anstieg der als hoch eingestuften Funde in 2019 vermutlich im Rahmen der kurzzeitigen Schwankungen, welche zwar nicht direkt einen Negativtrend darstellt, aber dennoch beobachtet werden sollte.

Die Entwicklung der Kritikalitätsverteilung im Jahr 2020 zeigt im Vergleich zu 2019 einen Anstieg der Schwachstellen mit mittleren und niedrigen Auswirkungen und damit einhergehend eine Abnahme der kritischen und hohen Schwachstellen. Der Grund für diesen starken Unterschied liegt allerdings nicht in einem wesentlich verbesserten Sicherheitsniveau der Untersuchungsgegenstände, sondern lässt sich vielmehr durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie erklären: Durch die Maßnahmen gegen die Pandemie (z. B. Lockdowns, Reisebeschränkungen und Home-Office-Regelungen) konnten im Jahr 2020 deutlich weniger interne Penetrationstests durchgeführt werden. Im Gegensatz zu externen Prüfungen über das Internet werden bei Penetrationstests in internen Netzwerken fast ausnahmslos eine wesentlich höhere Anzahl an Befunden und Schwachstellen mit hohen und kritischen Auswirkungen aufgedeckt.

Dies liegt unter anderem daran, dass extern erreichbare Systeme täglich im Fokus verschiedenster Angreifer stehen und kritische Schwachstellen kurzfristig ausgenutzt werden. Je nach den Folgen der Ausnutzung und gegebenenfalls vorhandener öffentlicher Berichterstattung zu den Schwachstellen führt dies dazu, dass Schwachstellen in externen Systemen schneller erkannt und behandelt werden. Dies gilt umso mehr, als dass heutzutage ein Großteil der Unternehmen weiterhin einen Netzwerkschutz nach dem Perimeter-System betreiben. Die Absicherung nach außen steht dabei im Fokus der Sicherheitsmaßnahmen, wobei die Behandlung von Sicherheitsrisiken in internen Systemen nachrangig behandelt wird oder durch Ressourcenmangel nicht oder nur stark verzögert erfolgen kann.

Abbildung 1: Entwicklung der Kritikalität von 2013 bis 2020

Um die Sicherheit von bestehenden Systemen zu verbessern und Sicherheitsaspekte im Entwurf neuer Systeme zu berücksichtigen, ist es wichtig zu verstehen, welche Art von Sicherheitslücken besonders häufig auftritt und welche Auswirkungen dies haben kann.

In Abbildung 2 wird daher zunächst die Entwicklung des Auftretens bestimmter Fehlerklassen in den letzten Jahren gezeigt. Dargestellt wird der Anteil der Penetrationstests, welche mindestens einen Befund der Kategorie erzeugt haben.

Im abgelaufenen Jahr ist besonders zu bemerken, dass eine Preisgabe von schützenswerten Daten, welche im letzten Jahr stark gesunken war, erneut enorm angestiegen und nun wieder in 8 von 10 Fällen zu finden ist. Zugleich ist aber die Anzahl der fehlerhaften Konfigurationen mit Auswirkung auf die Sicherheit eines Systems nach einem dramatischen Anstieg im letzten Jahr wieder gesunken, wobei eine solche noch immer in 80 % der Penetrationstests aufzufinden ist. Auch Funde im Bereich der Injektion und fehlerhafter Authentifizierung oder Sitzungsverwaltung sind im Vergleich zum vorherigen Jahr wieder häufiger geworden, wobei in diesen Fällen der Anstieg um ca. 5 % im Bereich normaler Schwankungen liegt.

Abbildung 2: Relative Häufigkeit der Kategorien[2] von 2016 bis 2020

Positiv zu vermerken scheint, dass der Anteil der Funde im Bereich von Implementierungsfehlern, mangelnder Systempflege und fehlerhafter Authentifizierung oder Sitzungsverwaltung im Vergleich zu 2019 wieder stark sank. Wie schon bei der Kritikalitätsentwicklung sind jedoch auch diese Entwicklungen mit großer Wahrscheinlichkeit den Auswirkungen der Covid-19- Pandemie zuzurechnen, da Fehler in diesen Bereichen zum Großteil bei internen Penetrationstests bemerkt werden.

Abbildung 3 zeigt die Schwere der Befunde im vergangenen Jahr aufgeschlüsselt nach Kategorie und im Vergleich zu den Befunden des vorangegangenen Jahres. Angegeben wird dabei der Anteil der unterschiedlichen Kritikalitätswerte an den Gesamtbefunden der jeweiligen Kategorie.

Abbildung 3: Entwicklung der Kritikalität[3] der Befunde nach Kategorie im Vergleich zum Vorjahr
 

Betrachtet man die Entwicklung der Häufigkeit der Kategorien zusammen mit der Kritikalität nach Kategorien, ergeben sich einige bemerkenswerte Veränderungen. So ist zwar die Häufigkeit der Funde im Bereich „Injektion“ nur leicht angewachsen, jedoch ist die Kritikalität der Funde in diesem Bereich, besonders von kritischen und hohen Funden, deutlich stärker gestiegen.

Im Gegenteil hierzu ist jedoch die Häufigkeit im Bereich „Fehlerhafter Authentifizierung oder Sitzungsverwaltung“ ähnlich zur Kategorie „Injektion“ gewachsen. Hier hat sich die Verteilung der Kritikalität allerdings in Richtung niedrig (low) verschoben.

Auch die Anzahl von Funden im Bereich des „Preisgebens von sensiblen Daten“ ist stark gestiegen – und ähnlich wie beim vorherigen Punkt ist auch hier die Verteilung der Kritikalität der Funde sogar noch eindeutiger in Richtung niedrig gewandert.

Während die Häufigkeit von Funden im Bereich des unzureichenden Loggings & Monitorings gesunken ist, ist hier die Kritikalität besonders stark angestiegen. Im Jahr 2020 wurden allerdings in diesem Bereich nur neun Funde entdeckt, im Gegensatz zum Vorjahr, wo es 22 Funde gab, weshalb die allgemeingültige Aussagekraft der Veränderung kritisch zu hinterfragen ist. Nichtsdestotrotz sollte dieser Bereich umso genauer im Blick behalten werden, da ein gutes Logging und Monitoring nicht nur bei der Fehlersuche, sondern auch bei der rechtzeitigen Erkennung und Behandlung von Angriffen essenziell ist.

Als letzter bemerkenswerter Punkt ist hervorzuheben, dass 40 % der Funde im Bereich von mangelnden Organisations- und Betriebsprozessen eine hohe Kritikalität vorzeigen und sogar bis zu 80 % als mittlere Kritikalität eingestuft werden.

Auswertung nach Testtyp

HiSolutions bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Sicherheitsüberprüfungen an. Vergleichsweise häufig und insbesondere periodisch wiederkehrend werden externe Penetrationstests und Web-Penetrationstests ausgeführt, bei denen das Testteam die gleichen Möglichkeiten wie externe Angreifer besitzt. Zusätzlich wird auch eine Vielzahl an internen Penetrationstests durchgeführt, welche die Untersuchung der Auswirkungen eines erfolgreichen Angriffes in der Praxis ermöglichen. Bei diesen stehen dem Testteam wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung, da sie sich im internen Netz des Auftraggebers befinden. Auch diverse Pentests und gezielte Prüfungen von Hardware-Systemen, Anwendungen und ICS-Umgebungen sowie Überprüfungen von Quellcode, System- und Netzwerk-Architekturen und der Konfiguration von IT-Systemen wurden im Jahr 2020 von HiSolutions durchgeführt.

Abbildung 4 zeigt die Kritikalität abhängig vom Typ des durchgeführten Tests und im Vergleich die Ergebnisse des Vorjahres. In einem Penetrationstest können mehrere Überprüfungen unterschiedlicher Art vorkommen. Für die Auswertung werden die einzelnen Testbestandteile aller Penetrationstests betrachtet. Die in Abbildung 4 dargestellte Kritikalitätsverteilung ergibt sich, wie in vorherigen Auswertungen, aus der Zuordnung jedes Testbestandteils zu seiner maximalen ermittelten Kritikalität. Für eine bessere Vergleichbarkeit werden relative Häufigkeiten dargestellt.

Um im Vergleich einen Mindestwert an Aussagekraft zu erzielen, werden nur Testtypen berücksichtigt, für welche im Jahr 2020 mindestens 10 Projekte durchgeführt wurden.

Die Auswertung nach Testtyp zeigt, dass die generelle Verteilung der in den Projekten beobachteten Kritikalitäten größtenteils konstant geblieben ist.

Nach wie vor gilt nachweisbar: Je mehr Zugang das Testteam hat, desto kritischer sind die aufgedeckten Sicherheitslücken. Zwar wurden im Fall der internen Penetrationstests nur noch in ungefähr 35 % der Prüfungen Befunde identifiziert, die als kritisch eingestuft wurden, der Anteil der sonstigen internen Pentests, die dann mindestens einen als „hoch“ eingestuften Befund enthalten, ist von ca. 40 % auf ca. 60 % der Gesamtzahl angestiegen.

Da durch die Corona-Pandemie deutlich mehr Überprüfungen von über das Internet erreichbaren Testgegenständen stattgefunden haben, ist die Entwicklung hier besonders interessant. Sowohl bei externen als auch bei Web-Penetrationstests sind besonders die Funde von kritischen und hohen Schwachstellen zurückgegangen. Das könnte darauf hinweisen, dass die Absicherung nach außen sich bei einigen Systemen im Vergleich zum Vorjahr verbessert hat. Ob dies dadurch begründet werden kann, dass durch die Pandemie deutlich mehr Personal im Home-Office arbeitete und somit die Schnittstellen nach außen stärker abgesichert werden mussten, muss durch andere Untersuchungen beleuchtet werden.

Abbildung 4: Entwicklung der maximalen Kritikalität nach Testtyp im Vergleich zum Vorjahr

Auswertung der Nachtests

Anbieter von Penetrationstests empfehlen in der Regel eine Verifikation der im Anschluss umgesetzten Maßnahmen als wirkungsvolles Mittel zur Verbesserung der Sicherheitseigenschaften von IT-Systemen. Die tatsächliche Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen wird im Folgenden an Beispielen aus der Praxis überprüft. Zu diesem Zweck werden Befunde betrachtet, bei denen ein Nachtest durch HiSolutions stattgefunden hat, also eine Überprüfung der nach dem Penetrationstest implementierten Maßnahmen.

Abbildung 5 zeigt die Anzahl der Befunde und deren Kritikalität nach Kategorien. Der obere Balken bezieht sich dabei auf die Befunde im initialen Penetrationstest, der untere auf die Befunde im Nachtest.[4]

Im Allgemeinen kann erneut hervorgehoben werden, dass besonders kritische und hohe Schwachstellen bis auf wenige Ausnahmen erfolgreich behoben wurden. Allerdings waren in den Bereichen sicherheitskritische Fehlkonfiguration und Nutzen von Komponenten mit bekannten Schwachstellen selbst im Nachtest noch immer Schwachstellen der Kritikalität „hoch“ zu finden.

Abbildung 5: Kritikalität im Vergleich vom Penetrationstest zum Nachtest 2020

Der Grund für die Unterschiede bei diesen beiden Kategorien war dabei häufig, dass es sich um schwerwiegende systematische Schwachstellen handelt, deren Behebung längere Zeit in Anspruch nimmt oder größere Umstrukturierungen notwendig macht. Bei Schwachstellen etwa, die auf veraltete Systeme und Komponenten zurückzuführen sind, ist ein funktionierendes Patch- und Life-Cycle-Management essenziell, um die Probleme dauerhaft zu beheben. Sind diese Management-Prozesse nicht ausreichend etabliert, werden Systeme im Nachgang an einen Penetrationstest oft einmalig aktualisiert, sind aber bis zum Zeitpunkt des Nachtests erneut veraltet. Vor dem Hintergrund, dass Ransomware-Trojaner und -Angreifer immer wieder Schwachstellen in veralteten Systemen ausnutzen, empfiehlt HiSolutions auch in internen Netzwerken dringend die Umsetzung eines zeitnahen Patch- und Life-Cycle-Managements.

Fazit

Auch dieses Jahr zeigten die identifizierten Befunde, wie wichtig und notwendig Penetrationstests und praktische technische Sicherheitsüberprüfungen sind.

Schwachstellen in internen Netzwerken stellen nach wie vor den Großteil der Schwachstellen mit hohem oder kritischen Risiko für Unternehmen dar. Unter der Annahme, dass es Angreifern gelingt, die externen Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen und in ein internes Netzwerk vorzudringen, spiegelt dieses in der Praxis ein beträchtliches Risiko wider. Auch die Erfahrungen von HiSolutions im Bereich Incident Response und Forensik und andere unabhängige Untersuchungen zeigen klar, dass Angreifer in internen Netzwerken gezielt Schwachstellen ausnutzen, um darüber ihre Berechtigungen zu erweitern und Schadsoftware auf weiteren Systemen zu verbreiten. Diverse in internen Penetrationstests identifizierte Angriffspfade ließen sich direkt oder in abgewandelter Form auch in realen Angriffen beobachten. Nur durch einen systematischen Umgang mit dem Thema IT-Sicherheit, welcher teilweise größere Umbau- und Um-Organisationsmaßnahmen und eine langfristige sicherheitsorientierte Ausrichtung in dem Bereich nach sich zieht, kann dieses komplexe Thema zukünftig verbessert werden.

Die sonstigen Entwicklungen der Zahlen aus diesem Jahr stehen stark unter dem Eindruck der durch die Covid-19-Pandemie veränderten Projektzusammensetzung. Üblicherweise in Web-Anwendungen und externen Systemen vorzufindende Schwachstellen wie die „Preisgabe schützenswerter Daten“ sind durch die gestiegene Anzahl an Projekten in diesem Bereich ebenfalls merklich angestiegen. Die Anzahl an kritischen und hoch eingestuften Schwachstellen ist, bedingt durch die geringere Anzahl an internen Penetrationstests bei Kunden vor Ort, insgesamt gesunken. Ein Blick in die Einzelprojekte zeigt jedoch kein signifikant gestiegenes Sicherheitsniveau in den einzelnen Bereichen.

Aus den Ergebnissen lässt sich auch ablesen, dass im Bereich des Loggings und Monitorings weiterhin größere Probleme existieren. Ein zielgerichtetes Logging und Monitoring wurde nur in wenigen Kundenumgebungen beobachtet. Teilweise war zwar eine umfangreiche Protokollierung eingerichtet, die Daten wurden aber nicht geeignet ausgewertet und konnten daher nicht effizient und präventiv genutzt werden. Da besonders dieser Bereich, wenn richtig durchgeführt, eine enorme Hilfe bei der Überprüfung von Systemen und insbesondere auch der frühzeitigen Erkennung von Sicherheitsvorfällen sein kann, empfehlen wir eine stärkere Fokussierung aus das Thema in der Zukunft.

Auch für das vergangene Jahr zeigen die Ergebnisse deutlich, dass anhand von Penetrationstests viele Sicherheitsprobleme in IT-Infrastrukturen erkannt werden können, die ohne externe Kontrolle (bis zu einem Angriff) verdeckt geblieben wären. Einmal identifiziert, führten die betroffenen Unternehmen in den meisten Fällen ausreichende Maßnahmen bis zum Nachtest durch, sodass die Probleme dauerhaft behoben wurden. Bei der Interpretation dieser Ergebnisse muss allerdings beachtet werden, dass die Durchführung eines Nachtests für sich bereits ein gesteigertes Sicherheitsbewusstsein oder etabliertere IT-Sicherheits-Strukturen bei Unternehmen aufzeigt. So werden Nachtests in der Regel nicht geplant und beauftragt, wenn keine Änderungen an den Systemen vorgenommen wurden. Auch wenn die Ergebnisse der Nachtests grundlegende Verbesserungen an den Systemen darlegen, zeigen sie auch deutlich, dass nicht immer alle angemahnten Schwachstellen tatsächlich effektiv behoben wurden. Die Durchführung von Nachtests ist damit weiterhin als effektives Mittel zur Bestätigung von getroffenen Maßnahmen sowie zur Identifikation möglicher Restrisiken anzusehen.

Übrigens: Unser Angebot im Bereich Pentest/Penetrationstest finden sie hier.

[1] https://www.owasp.org/index.php/Category:OWASP_Top_Ten_Project

[2] Die Kategorien „XML External Entities (OWASP A4)“ und „Insecure Deserialization (OWASP A8)“ sind aufgrund der geringen absoluten Zahlen aktuell nicht aufgeführt.

[3] Ohne Befunde, aus welchen sich keine direkten sicherheitsrelevanten Auswirkungen ergaben.

[4] Da lediglich Befunde betrachtet werden, für welche ein Nachtest stattgefunden hat, können nur etwa 20 % der Befunde verwendet werden. Es kann daher zu Abweichungen zu Abbildung 3 kommen, da für diese mehr Datenpunkte zur Verfügung stehen. Die Kategorie „Insufficient Logging & Monitoring (OWASP A10)“ wird mangels Daten nicht berücksichtigt.

HiSolutions Research

HAFNIUM Exchange-Schwachstellen: Überblick

Die hochkritischen HAFNIUM-Lücken (CVE-2021-26855 aka ProxyLogon), CVE-2021-26857, CVE-2021-26858 und CVE-2021-27065) bedrohen weiterhin IT-Infrastrukturen weltweit. Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Informationen und Hilfsmittel für Sie zusammengestellt.

Update 14.4.2021: Durch neue kritische Exchange-Schwachstellen könnte eine weitere Hafnium-ähnliche Welle drohen.

Wie Sie den Medien entnehmen konnten oder in nicht wenigen Fällen auch in der eigenen Betroffenheit bemerkt haben, beherrscht das Thema der kritischen Microsoft Exchange Lücke zur Zeit die IT. Bei HiSolutions haben wir aus allen Bereichen Ressourcen zusammengezogen, um den sprunghaft gestiegenen Bedarf an Incident Response und Forensik auffangen zu können. Wir bitten um Verständnis, wenn der Zeitplan des einen oder anderen Projektes aktuell darunter leidet und danken vor allem für das große Verständnis – und dafür, dass wir alle gemeinsam an der Bewältigung dieser Krise arbeiten!

In den letzten Wochen konnten wir daher viele Anfragen zur Security nicht sofort annehmen. Sobald sich die aktuelle Lage beruhigt, würden wir uns gerne bei Ihnen zurückmelden, um Verbesserungen anzugehen.

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Schwachstellendarstellungsstandardisierungsvorschlag: OASIS CSAF

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Nun sammelt sich hinter dem OASIS Common Security Advisory Format (CSAF) relevante Unterstützung u. a. von BSI, NIST und MITRE mit geplanten Aktivitäten wie einem Proof-of-Concept-Projekt zur Anwendung.

https://github.com/oasis-tcs/csaf

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Oh IOT oh IOT, fast verjessen: AMNESIA:33

AMNESIA:33 ist eine Sammlung von 33 Schwachstellen in vier weit verbreiteten TCP/IP-Stack-Implementierungen. uIP, FNET, picoTCP und Nut/Net decken als Basiskomponenten insgesamt viele Millionen vernetzter Geräte ab. Die Schwachstellen ermöglichen via Memory Corruption Angriffe wie Remote Code Execution (RCE), Denial of Service (DoS) und den Diebstahl von Informationen.

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Föderalismuskelspiele: Kein Bundestrojaner – sondern 19 Bundländertrojaner

Nicht der gefürchtete „Bundestrojaner“ wird nach langem Ringen voraussichtlich demnächst zum Abhören zugelassen – sondern neben BND, Bundes-Verfassungsschutz und MAD dürfen bald auch alle 16 Landesämter für Verfassungsschutz Endgeräte hacken, um Kommunikation auszuleiten („Quellen-TKÜ“), wenn der Gesetzentwurf der Koalition im Bundestag verabschiedet wird. Die Methode wird von Experten kritisiert, da sie bei den Ämtern das Interesse erhöht, Schwachstellen nicht an die Hersteller zu melden, sondern eher zu horten, um sie für ihre eigenen Abhörtrojaner einsetzen zu können.

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https://arstechnica.com/information-technology/2020/07/hackers-actively-exploit-high-severity-networking-vulnerabilities/

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Neu erschienen: HiSolutions Schwachstellen-Report 2020

Im Rahmen von Penetrationstests und anderen technischen Audits taucht immer wieder die Frage auf, wie das Abschneiden im Vergleich mit „typischen“ Ergebnissen einzustufen ist, und ob die identifizierten Probleme bei anderen Unternehmen in ähnlicher Form und Schwere bestehen. Die HiSolutions Schwachstellen-Report 2020 wertet die von uns im letzten Jahr durchgeführten Tests aus und analysiert die identifizierten Schwachstellen nach Schweregrad und Kategorie. So werden interessante Trends und wichtige Entwicklungen in der Sicherheitslage deutlich.

2019 bestand weiterhin eine Vielzahl unterschiedlicher Sicherheitsprobleme in den geprüften IT-Systemen. Besonders fehlerhafte Konfigurationen und die Häufigkeit, mit der verwundbare Komponenten eingesetzt wurden, haben sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich erhöht. Abgenommen haben hingegen die Preisgabe sensibler Informationen und mangelhafte Authentifizierung. Kritische Sicherheitslücken wurden, nach einem leichtem Rückgang 2018, im vergangenen Jahr wieder häufiger festgestellt – kein einziger Test wurde hier ohne Befund abgeschlossen. 

Mehr denn je bestehen anscheinend die größten Herausforderungen in der korrekten Konfiguration und Wartung von Software. Durch den Variantenreichtum der in der Praxis vorgefundenen Schwachstellen wird ein einfaches und schnelles Auffinden, beispielsweise durch automatisierte Verfahren, erschwert: Das Testen auf ausgewählte „Top-10“-Lücken erweist sich weiterhin als nicht hinreichend. Die Auswertung zeigt außerdem, dass gerade schwerwiegende Sicherheitslücken oft erst aufgedeckt werden können, wenn dem Testteam mehr Zugangsrechte eingeräumt werden. Für viele Unternehmen kann es daher sinnvoll sein, über eine externe Untersuchung der Systeme hinauszugehen und auch interne Strukturen prüfen zu lassen.

In vielen Fällen wurde auf Befunde im Nachgang des Tests korrekt reagiert. So wurden insbesondere kritische und schwere Sicherheitslücken bis zu einem Nachtest signifikant reduziert. Daher erweisen sich regelmäßige Penetrationstests mit wiederholter Überprüfung identifizierter Sicherheitslücken und der zur Mitigation eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen als wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit.

HiSolutions Schwachstellen-Report 2020

Dominik Oepen, Team Manager Penetrationstests & Tom Breitkopf, Consultant, HiSolutions AG

[Whitepaper als PDF]

HiSolutions führt jedes Jahr eine große Anzahl von unterschiedlichen Penetrations- und Schwachstellentests durch. Immer wieder taucht dabei die Frage auf, wie die Ergebnisse des einzelnen Tests im Vergleich mit „typischen“ Pentest-Ergebnissen einzustufen sind und ob die identifizierten Probleme bei anderen Unternehmen in ähnlicher Form und Schwere bestehen.

Wir haben diese Fragen zum Anlass genommen, die von uns in den letzten Jahren durchgeführten Tests jahresweise auszuwerten und die jeweils identifizierten Schwachstellen nach Schweregrad und Kategorien zu analysieren. Diese Aggregation erlaubt uns, einerseits die Vertraulichkeit der Projektergebnisse gegenüber unseren Kunden zu wahren, andererseits aber Aussagen über typische Testergebnisse und Problembereiche abzuleiten, die entweder besonders häufig auftauchen oder besonders schwerwiegende Lücken darstellen. Durch die Fortschreibung der Auswertung über die Jahre hinweg werden dabei auch interessante Trends und wichtige Entwicklungen in der Sicherheitslage deutlich.

Vorgehen

Dieser Report beruht auf einer Auswertung der Ergebnisse aus insgesamt 90 Penetrations- und Schwachstellentests, die im Jahr 2019 durchgeführt wurden. Zusätzlich haben wir die Befunde mit den Ergebnissen unserer Schwachstellenreports der Jahre 2013 bis 2018 verglichen.

Die Tests betreffen verschiedene Zielumgebungen, von Netzwerkinfrastrukturen über Web-Anwendungen bis hin zu einzelnen Systemen und Verfahren, sind also nicht direkt miteinander vergleichbar. Durch die Kategorienbildung bei den Schwachstellen lassen sich dennoch interessante Beobachtungen ableiten.

Für die Kategorien haben wir uns zunächst an den „OWASP Top 10“ orientiert. Diese Veröffentlichung des OWASP-Projektes aus dem Jahr 2017[1] umfasst eine Systematik der schwerwiegendsten Schwachstellen für Web-Anwendungen, die dort auf der Grundlage einer Berechnung der Schweregrade auf der Basis von Häufigkeiten und Auswirkungen erstellt wurde. Die Kategorien lassen sich dabei zum Teil auch auf andere Testziele gut übertragen, decken jedoch nicht alle unsere Befunde vollständig ab, sodass wir einige eigene Kategorien ergänzt haben. Diese umspannen den gesamten Zyklus der Softwareentwicklung und des Betriebs von Architektur und Design über Implementierung bis hin zur Systempflege. Dadurch lassen sich auch entsprechende Sicherheitslücken jenseits von Web-Anwendungen feingranular einordnen.

In diesem Jahr wurden die Kategorien gegenüber den Vorjahren aktualisiert, um vollständig mit der aktuellsten „OWASP Top 10“-Liste übereinzustimmen. Die Kategorien „Insecure Direct Object Reference (OWASP A4)“ und „Missing Function Level Access Control (OWASP A7)“ wurden zu der Kategorie „Broken Access Control (OWASP A5)“ zusammengefasst. Die Kategorie „Client-Side (OWASP A3/ A8) Injection“ wurde in „Cross-Site Scripting (OWASP A5)“ umbenannt. Diese Kategorie fasste in Vorjahresberichten die Kategorien „Cross-Site Scripting“ und „Cross-Site Request Forgery“ zusammen. Da letztere jedoch aus der OWASP Top 10 Liste verschwunden ist, wird sie nicht mehr separat aufgelistet. Neu hinzugekommen ist des Weiteren die Kategorie „Insufficient Logging and Monitoring (OWASP A10)“. Nicht geführt werden die Kategorien „XML External Entities (OWASP A4)“ und „Insecure Deserialization (OWASP A8)“, da diese selten zur Einteilung verwendet wurden.

Die Aggregation der Daten bringt einige praktische Schwierigkeiten mit sich: Wegen der Unterschiedlichkeit der durchgeführten Tests ließen sich keine relevanten Aussagen zur Häufigkeit von Schwachstellen in einem bestimmten System oder einer Anwendung ermitteln. Auch fassen wir in den Projektberichten gleichartige Schwachstellen auf verschiedenen Systemen häufig zu einem Befund zusammen, so dass eine Zählung der Befunde hier ebenfalls nur begrenzte Aussagekraft hat. Wir haben uns daher entschlossen, als Maß die relative Häufigkeit von Projekten, in welchen ein Befund der entsprechenden Kategorie auftauchte, zu verwenden. Dadurch wird deutlich, welchen Schwachstellen wir in unterschiedlichen Projekten besonders häufig begegnen, und welche eher selten oder nur in besonderen Zielumgebungen auftauchen.

Für die Bewertung der Relevanz einer Schwachstelle verwenden wir in unseren Prüfberichten ein standardisiertes Schema, in dem wir aus der Bewertung der Komplexität des Angriffs und des zu erwartenden Schadens zu einer Einordnung in die folgenden Kategorien kommen:

  • CRITICAL (C): Die getesteten Systeme sind akut gefährdet, umgehendes Handeln ist (in der Regel noch während der Testdurchführung) erforderlich.
  • HIGH (H): Die Schwachstelle hat eine hohe praktische Relevanz und sollte priorisiert behoben werden.
    MEDIUM (M): Die Schwachstelle besitzt ein relevantes Schadenspotenzial, dieses kann aber nur in bestimmten Umständen oder in Verbindung mit anderen Problemen realisiert werden.
  • LOW (L): Die Schwachstelle stellt für sich keine unmittelbare Gefahr dar, kann jedoch Angriffe über andere Schwachstellen erleichtern oder verstärken.

Rein informative Befunde (z. B. festgestellte funktionale Fehler ohne Sicherheitsbezug) wurden in der Auswertung nicht berücksichtigt.

Ergebnisse

Die Erkenntnisse der Auswertung aller Penetrationstests des letzten Jahres sollen im Folgenden vorgestellt werden. Dazu werden die durch Tests aufgedeckten Sicherheitslücken im Kontext der Entwicklungen über die letzten Jahre betrachtet. Verwendet wird dafür die Kategorie und der Schweregrad jeder Schwachstelle.
Erstmals wird in diesem Jahr auch die Art des durchgeführten Tests berücksichtigt und die Effizienz der im Anschluss an Penetrationstests durchgeführten Maßnahmen bewertet.

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Schweregrads von Sicherheitslücken von 2013 bis 2019. Dieser Schweregrad wird im Folgenden auch als Kritikalität bezeichnet. Für die Generierung der Werte wurde jedem durchgeführten Penetrationstest die maximale Kritikalität aller von ihm aufgedeckten Sicherheitslücken zugeordnet. Ein Penetrationstest, welcher eine kritische Sicherheitslücke aufgedeckt hat, wird daher als kritisch eingestuft. Dies ist dadurch zu begründen, dass eine einzige Lücke des entsprechenden Schweregrades ausreicht, die Sicherheit des gesamten Systems zu beeinträchtigen.
Seit 2013 sind Schwankungen ohne eindeutige Tendenz in der Entwicklung der Kritikalität von Penetrationstests zu verzeichnen. Nach einem Rückgang der als kritisch oder hoch eingestuften Penetrationstests von 2015 bis 2018 war im letzten Jahr erstmals wieder ein deutlicher Zuwachs zu erkennen. Nur im Jahr 2015 lieferte ein größerer Anteil der Tests schwerwiegende Befunde. Dies liegt im Rahmen der kurzeitigen Schwankungen und muss nicht auf einen Negativtrend verweisen. Dennoch weist es darauf hin, dass trotz der erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema IT-Sicherheit aus den betrachteten Untersuchungen keine grundlegende Verbesserung in diesem Bereich über die letzten Jahre abgeleitet werden kann.

Abbildung 1: Entwicklung der Kritikalität von 2013 bis 2019

Um die Sicherheit von bestehenden Systemen zu verbessern und Sicherheitsaspekte im Entwurf neuer Systeme zu berücksichtigen, ist es wichtig zu verstehen, welche Art von Sicherheitslücken besonders häufig auftritt und welche Auswirkungen dies haben kann.
In Abbildung 2  wird daher zunächst die Entwicklung des Auftretens bestimmter Fehlerklassen in den letzten Jahren gezeigt. Dargestellt wird der Anteil der Penetrationstests, welche mindestens einen Befund der Kategorie erzeugt haben. Abbildung 3 zeigt die schwere der Befunde dieses Jahres aufgeschlüsselt nach Kategorie.  Angegeben wird dabei der Anteil der unterschiedlichen Kritikalitätswerte an den Gesamtbefunden der jeweiligen Kategorie.

Auch für das Jahr 2019 konnten viele verschiedene Probleme bei der Entwicklung, Konfiguration und dem Betrieb von Software beobachtet werden.
Die Häufigkeit, mit der sensible Daten preisgegeben wurden, nahm im Vergleich zu den Vorjahren deutlich ab. Dennoch traten diese Fehler weiterhin in über der Hälfte aller Tests auf. Deutlich zugenommen hat im Jahr 2019 erneut die Anzahl der Penetrationstests, welche fehlerhafte Konfigurationen mit Folgen für die Sicherheit eines Systems aufdecken konnten. In neun von zehn Tests wurde eine derartige Fehlkonfiguration gefunden. Zwar entstanden aus beiden Kategorien meist lediglich geringe Sicherheitsrisiken, doch sind bei groben Fehlern auch schwerwiegende Auswirkungen möglich.
Sowohl OWASP A3 als auch OWASP A6 sind typische Fehlerklassen, welche aus Fehlern im Betrieb von Software und nicht in deren Entwicklung entstehen. Die erhoffte Verbesserung im Umgang mit IT-Systemen kann also bedauerlicherweise nicht oder nur in Teilen beobachtet werden.

Abbildung 2: Häufigkeit der Kategorien von 2016 bis 2019

Besonders bedenklich ist die deutliche Zunahme der Häufigkeit, mit der Komponenten mit bekannten Schwachstellen eingesetzt wurden von 41% auf 66%. Da Informationen zu diesen Schwachstellen und in vielen Fällen darüber hinaus Exploits, welche sie ausnutzen, öffentlich verfügbar sind, haben Fehler dieser Art besonders häufig kritische oder schwere[2] Auswirkungen auf die Sicherheit eines IT-Systems. Diese Schwachstellen entstehen in der Regel durch ein mangelhaftes Patch-Management, welches sicherstellen sollte, dass verwundbare Software aktualisiert wird. Die Etablierung eines funktionierenden Patch-Managements bzw. einer kontinuierlichen Systempflege stellt also weiterhin eine Herausforderung für viele Unternehmen dar. Dies verdeutlicht auch die Kategorie „mangelnde Systempflege“, welche allgemeine Fehler dieser Art beinhaltet, und in mehr als der Hälfte aller Tests gefunden wurde, wobei häufig kritische oder schwere Sicherheitslücken dadurch entstanden.

Auch Schwachstellen, welche durch Fehler im Entwurf und in der Entwicklung von Softwaresystemen entstehen, wurden durch Penetrationstests im Jahr 2019 aufgedeckt. Besonders eine ungeeignete Systemarchitektur führt dabei zu schwerwiegenden Fehlern. Dennoch konnte eine solche in 41% aller Penetrationstests festgestellt werden. Ähnlich häufig treten Implementierungsfehler auf. Design-Fehler konnten in etwa einem Viertel aller Penetrationstests festgestellt werden. Wie schwerwiegend die Folgen fehlerhafter Softwareentwicklung sein können verdeutlich die Kategorie fehlerhafte Zugriffskontrolle, welche über die letzten Jahre in etwa 40% der Penetrationstests zu finden war und wenn vorhanden in mehr als 40% der Fälle als kritisch oder hoch eingestuft wurde.

Laut unserer Erfahrungen aus Sicherheitsaudits werden Sicherheitsfragen in IT-Projekten häufig erst im Zuge der Betriebseinführung betrachtet, also nachdem vormals genannte Probleme bereits entstanden sind. Dies ist besonders problematisch, da die Auswirkungen von Fehlern schwerer sind, je früher der Entwicklungsschritt ist, in dem sie auftauchten. So wiegen im Mittel Fehler in Architektur und Design deutlich schwerer als solche in der Implementierung.

Abbildung 3: Kritikalität der Befunde nach Kategorie

Unzureichendes Monitoring und Logging wird im diesjährigen Bericht erstmals betrachtet. Es tritt in lediglich 10% der Tests auf und birgt stets lediglich geringes bis mittleres Risiko. Es kann jedoch das Aufspüren von Angriffen und deren Aufklärung deutlich verzögern und erschweren und sollte daher nicht vernachlässigt werden.

Die meisten kritischen Sicherheitslücken nach absoluten Zahlen waren eine Folge von mangelnder Systempflege. Auf den nächsten Plätzen folgt die Verwendung von Komponenten mit bekannten Sicherheitslücken und die Preisgabe sensibler Informationen. Auch Fehlkonfigurationen, Fehler bei der Authentifizierung und eine ungeeignete Systemarchitektur führten häufig zu kritischen Sicherheitsproblemen.
Betrachtet man ebenfalls Sicherheitsprobleme mit einer hohen Kritikalität, so liegen eine fehlerhafte Zugriffskontrolle und eine ungeeignete Systemarchitektur noch vor der Nutzung unsicherer Komponenten und mangelnder Systempflege.

Auch in Betrachtung der Einzelkategorien ist über die letzten Jahre keine Verbesserung der Sicherheitseigenschaften von IT-Systemen zu beobachten. Es bestehen weiterhin eine Vielzahl unterschiedlicher Fehlerquellen, welche die Sicherheit von Systemen beeinträchtigen können. In der Aufteilung der Fehlerkategorien setzen sich die Trends der Vorjahre fort. Es ist deutlich zu beobachten, dass es bei Konfiguration, Betrieb und Wartung von IT-Systemen zu den meisten sicherheitskritischen Fehlern kommt. Probleme in diesem Bereich werden wie in den Vorjahren in fast jedem Penetrationstest festgestellt. Auch Probleme in der Entwicklung bleiben eine Gefahrenquelle mit großen Schadenspotential. Sie konnten zwar in weniger Penetrationstests aufgedeckt werden, bergen jedoch, falls vorhanden, teilweise gravierende Risiken.

Auswertung nach Testtyp

Die HiSolutions AG bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Sicherheitsüberprüfungen an. Besonders häufig werden externe Penetrationstests und Web-Penetrationstests ausgeführt, bei denen das Testteam die gleichen Möglichkeiten wie externe Angreifer besitzen. Es werden jedoch auch interne Penetrationstests vorgenommen. Bei diesen stehen dem Testteam wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung, da sie sich im internen Netz des Auftraggebers befinden. Auch die Überprüfung von Quellcode, Architektur und Konfiguration von IT-Systemen wird von der HiSolutions angeboten. Ebenso können fertige Applikationen oder Betriebsstrukturen und Dokumentationen erprobt werden.

Abbildung 4 zeigt die Kritikalität abhängig von dem Typ des durchgeführten Tests. In einem Penetrationstest können mehrere Überprüfungen unterschiedlicher Art vorhanden sein. Für die Auswertung werden die einzelnen Testbestandteile aller Penetrationstests betrachtet. Die in Abbildung 4 dargestellte Kritikalitätsverteilung ergibt sich, indem, wie in vorherigen Auswertungen, jedem Testbestandteil die maximale Kritikalität zugeordnet wird, welche er enthält. Für eine bessere Vergleichbarkeit werden relative Häufigkeiten dargestellt.

Verallgemeinert lässt sich die Auswertung der Befunde reduzieren auf die Aussage: Je mehr Zugang das Testteam hat, desto kritischer die aufgedeckten Sicherheitslücken. In internen Penetrationstests konnten in etwas weniger als 40% der Fälle kritische und in knapp 80% der Fälle mindestens schwere Sicherheitslücken entdeckt werden. Auch in Dokumentations- oder Organisationsaudits und Applikations- oder API-Tests wurden häufig kritische Schwachstellen aufgedeckt.  Auch wenn Konfigurationsaudits oder Architekturreviews in verhältnismäßig wenigen Fällen kritische Sicherheitslücken aufgedeckt haben, so konnten sie doch eine erhebliche Anzahl schwerer Mängel finden. Externe und Web-Pentests, bei welchen das Testteam deutlich weniger Zugriffsrechte hat als in den vorangegangenen Testtypen, konnten in deutlich weniger fällen kritische oder schwere Sicherheitslücken aufdecken. Dennoch wurden auch bei diesen Tests in etwa 30% bis 40% der Fälle kritische oder schwere Sicherheitslücken gefunden, sodass ihre Effektivität nicht zu unterschätzen ist. Lediglich in einer sehr kleinen Anzahl von Tests wurden keine Befunde festgestellt.[3]

Abbildung 4: Kritikalität nach Testtyp

Auswertung der Nachtests

Anbieter von Penetrationstests empfehlen in der Regel eine Verifikation der im Anschluss umgesetzten Maßnahmen als wirkungsvolles Mittel zur Verbesserung der Sicherheitseigenschaften von IT-Systemen. Die tatsächliche Wirksamkeit wird im Folgenden überprüft. Zu diesem Zweck werden Befunde betrachtet, bei denen ein Nachtest stattgefunden hat, also eine Überprüfung der nach dem Penetrationstest implementierten Maßnahmen. Abbildung 5 zeigt die Anzahl der Befunde und deren Kritikalität nach Kategorien. Der obere Balken bezieht sich dabei auf die Befunde im Penetrationstest, der untere auf die Befunde im Nachtest.[4]

Alles in allem ist eine Abnahme der Kritikalität von ursprünglichem Penetrations- zu Nachtest zu erkennen. Insbesondere sicherheitskritische Fehlkonfigurationen und Fehler bei der Zugriffskontrolle wurden häufig vollständig beseitig, da dies in vielen Fällen mit geringem Aufwand möglich ist. Dahingegen kam die Preisgabe sensibler Informationen auch in vielen Nachtests weiterhin zum Tragen. Allgemein kann beobachtet werden, dass ein Befund eher behoben oder zumindest teilweise behoben wurde, je höher seine Kritikalität eingestuft war.

Insgesamt wurde gut die Hälfte aller Sicherheitsmängel bis zum Nachtest komplett beseitigt. Die Anzahl der kritischen und schweren Befunde reduzierte sich auf weniger als ein Dritter der ursprünglichen Befunde. Es lässt sich also bestätigen, dass mit Hilfe von Penetrationstest die Sicherheitseigenschaften einer Systemlandschaft deutlich verbessert werden können. Zu beachten bleibt jedoch, dass knapp die Hälfte der entdeckten Sicherheitslücken bis zum Nachtest nicht befriedigend geschlossen wurde. Dies zeigt, dass in einigen Fällen die Risiken der durch den Penetrationstest offengelegten Schwachstellen ernster genommen werden müssen und schneller reagiert werden muss.

Abbildung 5: Kritikalität von Penetrationstest zu Nachtest

Injection (OWASP A1)

Ähnlich wie bei Cross-Site-Scripting-Angriffen bringt bei der Injection ein Angreifer eigenen Programmcode in eine Anwendung ein, der hier jedoch auf der Serverseite ausgeführt wird und dadurch ein besonders hohes Schadenspotenzial hat. Der nach wie vor überwiegende Anteil besteht dabei in SQL-Injections, bei denen der Angreifer Datenbankabfragen der Anwendung manipuliert und sich so unbefugten Zugriff auf Daten und Funktionen verschafft.

Broken Authentication (OWASP A2)

In diese Kategorie fallen Fehler, die mit fehlerhafter Authentifizierung oder Sitzungsverwaltung zusammenhängen. Durch diese wird es Angreifern erlaubt Passwörter, Schlüssel oder Sitzungs-Tokens zu kompromittieren oder auf andere Weise temporär oder permanent eine falsche Identität anzunehmen. In den letzten Jahren konnten über 30 verschiedene Arten von Einzelbefunden identifizieren können. Besonders schwerwiegend sind Session-Tokens in URLs, Session-Fixation-Angriffe sowie in bestimmten Fällen mangelhaft geschützte Session-Cookies, unsichere SSH-Schlüssel, zu wenig Entropie in Session-IDs oder in Einzelfällen Logins mit Default-Credentials oder gar ohne jede Zugangskontrolle.

Sensitive Data Exposure (OWASP A3)

Unter diese Kategorie fallen alle Schwachstellen, die zu einem mangelhaften Schutz sensibler Daten führen. Dazu gehören neben einer fehlerhaften Konfiguration der Transportsicherheit (SSL) auch ein mangelhafter Schutz von Passwörtern und anderen sensiblen Daten durch eine fehlende Verschlüsselung oder den Einsatz veralteter Verschlüsselungsverfahren. Gerade die Anwendung kryptografischer Algorithmen hält viele Fallstricke bereit, die von Angreifern ausgenutzt werden können. Allerdings sind solche Schwachstellen nur selten als kritisch zu bewerten, da sie zumeist nur unter bestimmten Umständen oder mit einem erheblichen Aufwand ausnutzbar sind.

Broken Access Control (OWASP A5)

Fehler dieser Kategorie entstehen, falls Restriktionen was authentifizierte Nutzer tun und nicht tun dürfen nicht korrekt umgesetzt werden. Angreifern ist es dadurch möglich auf unerlaubt auf Daten oder Funktionen zuzugreifen. So kann es ihnen möglich sein die Daten anderer Nutzer einzusehen oder zu verfälschen, andere sensible Dateien zu lesen oder Zugriffsrechte zu manipulieren.

Security Misconfiguration (OWASP A6)

Diese Kategorie umfasst alle Arten von Konfigurationseinstellungen, die zu Schwachstellen oder Angriffspunkten führen, und ist daher in sich sehr heterogen – wir haben über 60 ver­schiedene Arten von Befunden dieser Kategorie zugeordnet. Viele der Konfigurations­probleme führen jedoch auch nur zu geringen Risiken, so dass die meisten Einstufungen hier niedrig bis mittel ausgefallen sind. Kritisch sind lediglich bestimmte Fälle der Preisgabe von Informationen über technischen Konfigurationsdaten, Directory-Listings oder nicht gelöschte Beispiel- und Hilfedateien, die in den entsprechenden Fällen jeweils einen unmittelbaren Ansatzpunkt für Angriffe gegeben haben.

Cross-Site Scripting (OWASP A7)

Cross-Site-Scripting-Angriffe basieren auf dem Prinzip, dass der Angreifer in die Anwendung Programmcode einbringt, der auf dem Client eines Anwenders ungewollt zur Ausführung gelangt. Dabei handelt es sich meist um reflektiertes XSS (also dem Anwender über einen Link untergeschobenes), vereinzelt auch um persistentes XSS (dauerhaft in die Anwendung eingebrachten Schadcode).

Using Components with Known Vulnerabilities (OWASP A9)

Unter diese Kategorie fällt eine Vielzahl von Schwachstellen, die insbesondere aus einem mangelhaften Software- und Patchmanagement resultieren: Veraltete Software, vom Betriebssystem über die Anwendungsserver, Frameworks, die Anwendungssoftware und Erweiterungen oder Plug-Ins, kann eine Vielzahl von Schwachstellen beinhalten, die nach der Veröffentlichung leicht von Angreifern ausgenutzt werden können. Wird die Software nicht sorgfältig gepflegt, können schnell Lücken entstehen, die ein großes Schadenspotenzial beinhalten.

Insufficient Logging & Monitoring (OWASP A10)

Unzureichendes Logging und Monitoring verzögert die Entdeckung einer Kompromittierung. Durch die zusätzliche Zeit ist es Angreifern möglich weitere Systeme zu infizieren, mehr Daten zu sammeln oder zu manipulieren. Des Weiteren wird die Identifizierung des Einfallstores eines Angreifers sowie des Angreifers selbst erschwert.

Anwendung: Design-Fehler

Designfehler in Anwendungen sind zum Glück selten, dann aber oftmals gefährlich. Die Ausprägungen sind unterschiedlich, Beispiele sind Datenbankzugriff mit administrativen Rechten, Zulassen trivialer Passwörter, unnötige Exportfunktionen, unsichere Schnittstellen oder die ungewollte Preisgabe von Nutzerinformationen.

Anwendung: Implementierungs-Fehler

Wie bei der Vielzahl und Vielfalt existierender Anwendungen zu erwarten, bilden die hier zusammengefassten gut zwei Dutzend Schwachstellen einen bunten Strauß an Dingen, die bei der Implementierung von Anwendungen falsch gemacht oder vergessen wurden – über die von den OWASP-Kategorien bereits erfassten Fehlermöglichkeiten hinaus. Besonders kritische Fälle stehen oft im Zusammenhang mit mangelnder Rechteprüfung beim Lesen oder Schreiben sowie beim Upload von Dateien.

Ungeeignete Sicherheitsarchitektur

Relativ häufig sind wir in unseren Projekten auf Sicherheitsarchitekturen gestoßen, die ihre Schutzfunktion nicht erfüllen. Dies begründet sich manchmal in fehlenden Schutzmechanismen (Firewalls), z. T. jedoch auch in vorhandenen, aber in der vorliegenden Konfiguration nicht wirksamen Sicherheitssystemen. Dieser Effekt ist besonders bei sogenannten Web Application Firewalls (WAF) häufiger zu beobachten. Ebenfalls in diese Kategorie haben wir eine aus Sicherheitssicht unzureichende Trennung von Produktiv- und Testumgebungen gezählt.

Mangelnde Systempflege

Mangelnde Systempflege kann auf verschiedene Weisen zu Sicherheitsproblemen in einem IT-System führen. Die Kategorie wird daher für eine Vielzahl von Fehlerarten, welche sich nicht in die bestehenden Kategorien einordnen lassen, genutzt. Besonders häufig treten Mängel im Patch-Management auf. Diese können wiederum zu Fehlern der Kategorie „Using components with known vulnerabilities (OWASP A9)“ führen. Weitere häufige Fehler bestehen im Weiterbetrieb von ungenutzten Systemen, Test- und Beispielsystemen oder Systemen, welche nicht nach außen offen sein sollten oder abgelaufene Zertifikate besitzen. Ebenso kommen ungenutzte und undokumentierte Firewall-Regeln, fehlerhafte Systemzeiten und Login-Möglichkeiten mit Standard-Zugangsdaten vor.

Fazit

Im Jahr 2019 bestand weiterhin eine Vielzahl unterschiedlicher Sicherheitsprobleme in den von der HiSolutions überprüften IT-Systemen. Besonders die Zahl der fehlerhaften Konfigurationen und die Häufigkeit, mit der verwundbare Komponenten eingesetzt wurden, haben sich in diesem Jahr deutlich erhöht.  Abgenommen hat hingegen die Anzahl der Fehler, bei denen sensible Informationen preisgegeben wurden oder die Authentifizierung nicht korrekt funktionierte. Trotz dieser Abweichungen ergibt sich in Summe ein ähnliches Bild wie über die letzten Jahre.

Schwere und kritische Sicherheitslücken wurden im vergangenen Jahr nach leichtem Rückgang 2018 wieder häufiger festgestellt. Es gab keinen einzigen Penetrationstest, welcher keine Befunde hervorgebracht hat. Insgesamt besteht folglich kein Grund für Entwarnung. Ganz im Gegenteil besteht weiterhin akuter Handlungsbedarf beim Schutz von IT-Systemen.

Für die kommenden Jahre ergibt sich insbesondere die Notwendigkeit, den Entwicklungsprozess von Software weiter zu optimieren. Besonders schwerwiegende Probleme treten bei Fehlern in der Architektur oder im Design auf. Es ist daher dringend ratsam, IT-Sicherheitsexperten am Entwicklungsprozess zu beteiligen und möglichst früh in die Planung mit einzubeziehen. Um Implementierungsfehler zu reduzieren, können ein Secure Development Lifecycle, Entwicklertrainings und Source-Code-Reviews probate Mittel sein.

Mehr denn je bestehen die größten Herausforderungen in der korrekten Konfiguration und Wartung von Software. Insbesondere ist es für die kommenden Jahre für viele Unternehmen besonders drängend, das Patch-Management zu verbessern. Wird vermieden, dass Systeme hinter den aktuellen Stand der Entwicklung zurückfallen, können schwerwiegende Risiken durch öffentlich bekannte Schwachstellen verhindert werden.

Durch die Diversität der Probleme und den Varianten­reichtum der in der Praxis vorgefundenen Schwachstellen wird ein einfaches und schnelles Auffinden beispielsweise durch automatisierte Verfahren erschwert. Das Testen auf ausgewählte „Top-10“-Lücken erweist sich weiterhin als nicht hinreichend.

Welche Schwachstellen durch einen Penetrationstest aufgedeckt werden, hängt auch von der Art des Tests ab. Im vergangenen Jahr wurden durch die HiSolutions besonders häufig externe und Web-Penetrationstests durchgeführt. Die Auswertung zeigt jedoch, dass viele besonders schwerwiegende Sicherheitslücken erst aufgedeckt werden können, wenn dem Testteam mehr Zugangsrechte eingeräumt werden. Für viele Unternehmen kann es daher für die Zukunft sinnvoll sein, über eine externe Untersuchung der Systeme hinaus zu gehen und auch interne Strukturen prüfen zu lassen.

Der Bericht verdeutlicht, dass anhand von Penetrationstests viele Sicherheitsprobleme in IT-Infrastrukturen erkannt werden können, welche ohne externe Kontrolle (bis zu einem Angriff) verdeckt geblieben wären. In vielen Fällen wurde auf Befunde korrekt reagiert. So wurden insbesondere kritische und schwere Sicherheitslücken bis zu einem Nachtest drastisch reduziert. Insgesamt haben sich die Sicherheitseigenschaften der getesteten Systeme nach einem Penetrationstest unbestreitbar verbessert.

In anderen Nachtests wurde jedoch deutlich, dass Sicherheitslücken teilweise nicht adäquat geschlossen werden. Außerdem können sich die Sicherheitseigenschaften eines Systems über die Zeit verändern. Daher sehen wir wiederholte Penetrationstests mit wiederholter Überprüfung gefundener Sicherheitslücken und der zu ihrem Schließen eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen als einen wichtigen Schritt zu mehr Sicherheit in IT-Systemen.

Kontakt: HiSolutions AG


[1] https://www.owasp.org/index.php/Category:OWASP_Top_Ten_Project

[2] Schwachstellen oder Sicherheitslücken, welche mit der Kritikalität „hoch“ eingestuft wurden, werden im Folgenden häufig auch als „schwere Sicherheitslücken“ oder „Sicherheitslücken mit (potentiell) schweren Folgen“ bezeichnet.

[3] Differenzen zu Abbildung 1, in welcher kein einziger Penetrationstest ohne Befund zu verzeichnen ist, sind dadurch zu erklären, dass ein Penetrationstest aus mehreren Teilen bestehen kann und somit lediglich ein Teil des Tests ergebnislos geblieben sein kann.

[4] Da lediglich Befunde betrachtet werden, für welche ein Nachtest stattgefunden hat, können nur etwa 20% der Befunde verwendet werden. Es kann daher zu Abweichungen zu Abbildung 3 kommen, da für diese mehr Datenpunkte zur Verfügung stehen. Die Kategorie „Insufficient Logging & Monitoring (OWASP A10)“ wird mangels Daten nicht berücksichtigt.

HiSolutions Research

Ganz normaler Patch Tuesday? Schwachstellenschwemme im Mai

Die Anzahl der bekanntwerdenden Schwachstellen nimmt seit Jahren zu. Immer wieder sind auch kritische dabei, und in manchen Monaten kommt mehr zusammen als in anderen. So knüppeldick wie in diesem Mai kam es allerdings lange nicht: Eine „wurmbare“, sprich potenziell im Schneeballeffekt millionenfach ausnutzbare Lücke in RDP (CVE-2019–0708) bei Windows 7 und Server 2008/R2 plus 22 weitere kritische Lücken bei Microsoft, ein Bug in WhatsApp, über den schon mit einem einzigen bösartigen Anruf das i- oder Android-Phone unbemerkt übernommen werden kann (CVE-2019–3568) sowie allein über 80 Schwachstellen bei Adobe (Flash, Acrobat/Reader). Wegen des RDP-Problems patchte Microsoft auch noch ein weiteres „letztes“ Mal ausgelaufene Windows-Versionen wie XP. Interessant an der Lücke ist auch, dass sie vom britischen National Cyber Security Centre (NCSC) gemeldet wurde – dessen Mutter, der technische Geheimdienst GCHQ, sich durchaus vorbehält, Schwachstellen nicht zu veröffentlichen, sondern für das eigene Arsenal aufzusparen. Mögliche Gründe für die Veröffentlichung könnten ein vorausgegangener Verlust der Kontrolle über die Schwachstelle sein, die Erkenntnis, dass andere Geheimdienste diese ebenfalls kennen, oder auch späte Einsicht in die Vorgänge um WannaCry vor zwei Jahren, als GCHQ und NSA in die Kritik kamen, im Interesse ihrer Angriffswaffen Nutzer nicht genügend zu schützen. 

https://medium.com/asecuritysite-when-bob-met-alice/just-another-patch-tuesday-ncsc-stops-another-wannacry-adobe-hits-83-and-whatsapp-hits-zero-96b49cf61d08?sk=ef2f8a0772bd2df974a373dcb95dcd28