Sassy Buzzword: Erobert SASE die Welt?

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Ein neuer Trend macht aktuell in der IT(-Security) die Runde: SASE, wie die Marketinggötter sagen: „sassy“, oder in lang und verwirrend Secure Access Service Edge.

SASE ist ein neuer Ansatz in der Netzwerk-Architektur, in welchem WAN-Services (etwa eine Anbindung von Außenstellen) und Security-Funktionen (bisher bisweilen als CASP – Cloud-Access Security Provider – implementiert) in einer kombinierten Cloud-Lösung integriert werden. Die Sicherheitsfunktionen greifen hier am Rand (Edge) des Netzwerks und machen so bestimmte zentrale Sicherheitskonzepte wie vom Hauptquartier aufgespannte VPNs überflüssig. Zugriffe von Anwendern, Apps und Geräten werden dabei mit starken Identitäten und kontextbasierten Regeln gesteuert.

Die Platzierung des Begriffs an wenigen strategischen Template-Stellen in den Pressemitteilungen der Storage-Firmen und die Anzahl der um Bildschirm-Estate konkurrierenden Google-Ads zeigen allerdings schnell, worum es zunächst hierbei geht: Content Marketing und Search Engine Advertisement zur „neusten“ Sau, die Marktforscher wie Gartner, Forrester und Co. (natürlich auch zur Stärkung der eigenen Relevanz) durchs Dorf Internet treiben. Allein für die erotische Aussprache des Akronyms hat vermutlich eine Agentur einen schönen Batzen Geld kassiert.

Bei allem Hype ist aber vor allem der Trend hinter dem Trend interessant: Warum gerade diese Sau, gerade jetzt?

Zum einen geht es um Konvergenz: Die meisten großen Innovationen lassen sich entweder in „dasselbe mit weniger“ (Effizienz) oder „mehr mit demselben“ (Funktionalität) einordnen; nur wenige wahre „Disruptionen“ schaffen beides zugleich. Hier also dasselbe (nämlich VPN/„SD-WAN“ einerseits und CASP andererseits) mit weniger, d. h. nur einem Anbieter, der zukünftig beide Töpfe abgreifen möchte. Diejenigen, die eine Chance sehen, beides zugleich anzubieten, pushen den Hype, um diejenigen auszubooten, die nur eines von beiden können. Und selbstverständlich müssen dabei alle behaupten, sie machten das eh alles schon längst.

Zum anderen gibt es immer die Bewegung hin und her zwischen Zentralisierung und Dezentralisierung. Zum Beispiel: Mainframe -> Client-Server -> Cloud -> Edge -> … Diesmal rückt die zentrale Cloud, man hört es im „Edge“ am Ende von SASE, wieder ein Stück näher an die Kunden, um diese noch mehr einzubetten (und abzukassieren).

Bei allem Getrommel: Da das Konzept zu aktuellen Tendenzen und Bewegungen passt, kann ich mir vorstellen, dass es wirklich an Fahrt gewinnen wird – ob unter diesem künstlichen Buzzword oder unter dem nächsten.