Wie lang sollte ein RSA-Schlüssel sein?

Zu dieser Frage herrscht Uneinigkeit in unserer Branche. Das BSI benennt als Anforderung, dass bei TLS-Verbindungen eine RSA-Schlüssellänge von mindestens 3.000 Bits verwendet werden sollte. Die US-Standardisierungsbehörde NIST gibt an, dass RSA-Schlüssellängen mit 2.048 Bit noch bis 2030 als ausreichend sicher gelten.

Wichtig in dieser Diskussion ist, den Anwendungsfall von RSA im TLS-Verfahren zu berücksichtigen. Es wird verwendet, um die Authentizität des Servers gegenüber dem Client zu bestätigen – und im Fall von mTLS auch die des Clients gegenüber dem Server. Obwohl mittels RSA keine Inhalte verschlüsselt werden und ein mögliches Brechen eines RSA-Schlüssels in der Zukunft keine Auswirkungen auf bereits aufgezeichneten verschlüsselten Verkehr hätte (die Anwendung von Perfect-Forward-Secrecy vorausgesetzt), muss die Sicherheit des Signaturverfahrens für die Verwendungsdauer des Schlüssels gewährleistet sein: üblicherweise ein Jahr bei öffentlichen Client/Server-Zertifikaten, ca. 3-5 Jahre bei internen Client/Server-Zertifikaten oder ca. 20-30 Jahre bei CA-Zertifikaten.

Ein Wechsel zu einem Zertifikat mit einem längeren Schlüssel hat nicht nur formale, sondern auch praktische Auswirkungen auf die Leistung des Servers, da mit der Schlüssellänge auch die benötigte Rechenzeit für die Signaturerstellung steigt. Webserver, die viele Verbindungsaufbauten gleichzeitig bedienen, müssen bei einem längeren Schlüssel bei jedem Verbindungsaufbau die aufwendigeren Signaturen erstellen und ggf. Signaturprüfungen durchführen, was zu einer höheren Belastung führen kann. Damit steigt auch das Risiko für DDoS-Attacken bei längeren Schlüsseln.

Dieser Diskurs wirkt auf uns jedoch wenig zielführend. Die Schlüssellänge bei RSA ist ein reiner Wettlauf gegen die Zeit, da klassische Computer immer leistungsstärker werden. Und spätestens mit dem Erscheinen eines kryptografisch relevanten Quantencomputers hat sich das Thema RSA erledigt, da für diesen das Ermitteln des geheimen Schlüssels auf Basis des öffentlichen Schlüssels kein schweres Problem mehr darstellt. Auch wenn elliptische Kurven (ECC) noch zur klassischen asymmetrischen Kryptografie zählen, sollten diese anstelle des RSA-Verfahrens eingesetzt werden, da sie mit geringeren Schlüssellängen auskommen und eine bessere Gesamtperformance bieten. Oder besser, man geht den Weg, den auch die Messenger-App Signal eingeschlagen hat, mit einer Komposition aus ECC und einem PQC-Kandidaten, um gegen kryptografisch relevante Quantencomputer gewappnet zu sein.

Meldung auf heise online: https://www.heise.de/news/Microsoft-RSA-Schluessellaengen-von-2048-Bit-reichen-fuer-TLS-Zertifikate-9657480.html

Wissenschaftliches Paper zum Vergleich von RSA und ECC: https://www.researchgate.net/publication/322558426_RSA_and_ECC_A_comparative_analysis

Blogpost von Signal zu deren PQC-Strategie: https://signal.org/blog/pqxdh/

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