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Show Your HighNIS: Highlights des EU NIS Investment Reports

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von Tim Goos.

Im Dezember 2020 wurde der NIS Investment Report veröffentlicht. Dieser analysiert, wie die EU NIS Direktive in den zwei Jahren seit ihrer Umsetzung in die nationalen Gesetze von Organisationen implementiert wurde. Dabei betrachtet der Report als repräsentative Stichprobe für die gesamte EU nur Organisationen aus den vier Ländern Deutschland, Frankreich, Spanien und Polen. So konnte ein Vergleich zwischen den Ländern, aber auch zwischen verschiedenen Sektoren gezogen werden. Dabei stellte sich heraus, dass in Bezug auf die Umsetzungstiefe die Länder von Deutschland und die Sektoren vom Banken- sowie vom Energiesektor angeführt werden. Abgeschlossen wird der Bericht durch eine Umfrage zu den gewählten Schwerpunkten und Komplikationen bei der Implementierung. Nicht überraschend werden unklare Erwartungen der nationalen Autoritäten und Konflikte mit anderen Gesetzen als die größten Hindernisse genannt.

Zusammengefasst bietet der NIS Investment Report einen Einblick in die Umsetzung der NIS Direktive, aber leider keinen tiefen.

Abbildung1: Darstellung der aktuellen Implementierung der NIS Direktive[1]

Insgesamt haben rund 80 % aller betrachteten Organisationen mit der Implementierung begonnen oder haben diese schon vollendet. Nur eine der 251 betrachteten Organisationen weigert sich, die NIS Direktive zu implementieren oder sich an dieser zu orientieren. Weiterhin dauert die Implementierung im Schnitt zwischen 14 und 18 Monaten, womit dreiviertel der Organisationen im Jahr 2018 oder 2019 starteten. Vorreiter bei der vollendeten Implementierung der NIS Direktive ist Deutschland mit ~70 %, dicht gefolgt von Frankreich und Italien mit ~67 % bzw. ~64 %. Spanien und Polen folgen mit unter 50 % Umsetzung. Gründe hierfür sind unter anderem die Geschwindigkeit, mit der die NIS Direktive in die nationalen Gesetze umgesetzt wurde, sowie deren Priorisierung.

Die eingesetzten dedizierten Ressourcen umfassen zu 90 % ein Budget zwischen 50.000 € und 1 Million € mit einer 50/50-Verteilung, ob neue oder externe Arbeitskräfte eingesetzt werden. Da keine Korrelation zwischen den erhobenen Daten und der Größe der entsprechenden Organisationen vorliegt, können die Daten schlecht interpretiert werden. Es ist anzunehmen, dass kleinere Organisationen mehr auf neue oder externe Arbeitskräfte setzen, um die NIS Direktive zu implementieren, während große Organisationen durch entsprechend größere IT-Abteilungen und Know-how diese selbständig umsetzen können. Ein interessanter Ausreißer ist der Sektor Digitale Infrastruktur. In diesem gaben ~39 % der Organisationen ein Budget unter 50.000 € an. Im Vergleich zum Energiesektor zeigen sich große Diskrepanzen. Daraus lässt sich schließen, dass die einzelnen Sektoren unterschiedlichen Wert auf IT-Sicherheit legen.

Den größten Einfluss auf die IT-Sicherheit der Organisationen hat die NIS-Direktive in den drei Sicherheitsbereichen „Governance, Risk and Compliance“, „Security Analytics“ und „Network Security“. Dies zeigt sich z. B. dadurch, dass 81 % aller betrachteten Organisationen einen Mechanismus zum Melden von Vorfällen in der IT-Sicherheit an nationale Autoritäten eingerichtet haben. Außerdem sieht die überwiegende Mehrheit aller betrachteten Organisationen die NIS-Direktive als einen positiven Beitrag zu Ihrer IT-Sicherheit. Dies könnte an den wenigen neuen Technologien liegen, die laut Umfrage eingesetzt werden. Es wurden also meist schon bestehende Systeme erweitert oder ausgebaut, was es den Organisationen einfacher machte. Schließlich gaben die betrachteten Organisationen die verschiedenen Umsetzungen in nationale Gesetze und mögliche Konflikte mit alten Gesetzgebungen sowie die Priorisierung anderer Regulierungen und die unklaren Erwartungen von Seiten nationaler Autoritäten als die größten Schwierigkeiten bei der Implementierung der NIS Direktive an.


[1] S. 18 des NIS Investments Report https://www.enisa.europa.eu/publications/nis-investments