50 Grad im Kühlregal und Risiken in der Solar-Cloud

In der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 2026 haben Angreifer die Kühlsteuerungen französischer Supermärkte manipuliert. Laut Wirtschaftsminister Roland Lescure traf es rund 700 der etwa 10.000 Supermärkte im Land (Stand: 13. Oktober), allein bei Intermarché rund 150 Filialen. Die Täter schalteten Kühl- und Tiefkühlmöbel in den Dauerabtaumodus, woraufhin die Temperaturen auf bis zu 50 Grad stiegen. Betroffen sind vor allem Danfoss-Controller der Serien AK-SM und AK-SC, darunter die Altgeräte AK-SM 800 (Supportende 2021) und AK-SC 355 (seit 2016 abgekündigt). Das CERT-FR warnt zusätzlich vor Controllern von Copeland und Dixell. Berichten zufolge traf es auch Märkte in Deutschland. Wie die Täter eingedrungen sind, ist offiziell ungeklärt. Bekannt waren Lücken aber schon vorher. Im August hatte Claroty Team82 im neueren AK-SM 800A einen versteckten Login-Mechanismus aufgedeckt, für die Altgeräte gab es bereits 2023 Warnungen. Trotzdem zählte Reuters nach dem Angriff noch mindestens 4.500 Danfoss-Bedienoberflächen, die offen im Internet erreichbar sind.

Davon unabhängig wurde am 7. Oktober eine Lücke in der Plattform iSolarCloud des Wechselrichterherstellers Sungrow bekannt. Ein Forscher, der mit der Sicherheitsfirma Jakkaru zusammenarbeitet, gelangte über einen Fehler im Login ohne Passwort bis in Administratorkonten. Laut dpa sind in Deutschland rund 250.000 Anlagen mit zusammen 7,8 Gigawatt an die Plattform angeschlossen. Sungrow schloss die Lücke im August binnen drei Tagen und sieht keine Hinweise auf Missbrauch.

Beide Fälle folgen demselben Muster. Die Steuerung ist nicht ins Firmennetz eingebunden, sondern über den Fernzugang eines Dienstleisters oder die Cloud des Herstellers mit dem Internet verbunden. Nicht selten fehlt sie dann im IT-Inventar. Ein einzelnes Gerät ist ein überschaubares Risiko. Laufen aber Hunderte Märkte oder Hunderttausende Anlagen über denselben Zugang, entsteht ein Schaden in der Fläche. Seit dem 11. September müssen Hersteller nach dem Cyber Resilience Act aktiv ausgenutzte Schwachstellen binnen 24 Stunden melden, auch bei Altgeräten ohne Support. Ob Danfoss gemeldet hat, ist nicht bekannt.

Es empfiehlt sich, bei Dienstleistern für Betriebstechnik (OT), etwa für Kühlanlagen oder Gebäudesteuerung, schriftlich bestätigen zu lassen, welche Steuerungen auf welchem Weg aus der Ferne erreichbar sind und welche Firmware darauf läuft. Geräte ohne Support gehören vom Netz. Geht das nicht, bleibt nur ein strikter Perimeter-Schutz, der klar regelt, von wo aus ein Zugriff erlaubt ist.

Wer die Wartung auslagert, bleibt trotzdem für den Zugang verantwortlich. Entscheidend ist deshalb zu wissen, welche Anlagen ein externer Techniker wann fernsteuern kann.

https://complexdiscovery.com/refrigeration-hack-affected-about-700-french-supermarkets-government-says-as-danfoss-interfaces-stay-online/

https://claroty.com/team82/research/freeze-the-controller-defrost-the-food-uncovering-vulnerabilities-in-danfoss-refrigeration-controllers

https://www.synacktiv.com/sites/default/files/2023-10/synacktiv-danfoss-sm800-sc255-sc355-auth-bypass.pdf

https://thehackernews.com/2026/10/attackers-heat-french-supermarket.html

https://www.cbsnews.com/news/cyberattack-supermarkets-refrigerators-france-fires-food-losses

https://cert.cyber.gouv.fr/alerte/CERTFR-2026-ALE-012

https://www.pv-magazine.de/2026/10/08/nach-hackerangriff-sungrow-schliesst-schwachstelle-in-seiner-isolarcloud/

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/dpa-hacker-hatte-hunderttausende-solaranlagen-in-deutschland-lahmlegen-konnen-16137653.html

https://www.hlc.com/en/publications/eu-cyber-resilience-act-vulnerability-and-incident-reporting-obligations-now-apply

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